Hühnerfrikassee

Hühnerfrikassee von Ruth Hanke

 

RING! RING! RING!! RING!! RIIIHING!!!!

Schwiegermutter: (hebt ab) Hallo? Wer ist da?

Ruth: Ich bin es! Die Ruth!

Schwiegermutter: Muthe? Bist es du?

Ruth: Die RUHUTH!

Schwiegermutter: Angelika? Nee, wart mal, was pfeift denn da so komisch … ich muss meine Hörgeräte rausnehmen. Jetzt bin ich da, Angelika.

Ruth: Ich bin die Mama vom Daniel!

Schwiegermutter: Ganz langsam, Daniel! Was ist denn los mit deiner Mama?

Ruth, (verzweifelt): Ich bin die Frau vom Randolf!

Schwiegermutter, (nach langem Nachdenken): Nee, der Randolf biste nich!

Ruth: Nee, der bin ich nich! Aber er ist erkältet und ich will ihm eine Hühnerbrühe machen. Dafür brauche ich dein Rezept für Hühnerfrikassee.

Schwiegermutter (geht ein Licht auf): Ruth? Ja?! Warum sagste des nich gleich?

Ruth: – – –

Schwiegermutter: Also, was willste?

Ruth: Bitte das Rezept für dein Hühnerfrikassee.

Schwiegermutter: Was für n See?

Ruth: HÜHNERFRIKASSEE!!!

Schwiegermutter: Ja, du brauchst nicht so zu schreien! Ich versteh dich ganz genau! Natürlich mach ich euch ein Hühnerfrikassee. Ihr müsst nur sagen, wann ihr vorbeikommt.

Ruth: Ja, sehr lieb, aber ich wollte das Rezept …

Schwiegermutter: Ach, das REZEPT für HÜHNERFRIKASSEE!

Ruth (erschöpft): Genau …

Schwiegermutter: Also, zuerst holste des Huhn aus der Gefriertruhe …

Ruth: Ich hab kein Huhn.

Schwiegermutter: DU HAST KEEN HUHN?

Ruth: Nein.

Schwiegermutter: Was gackerste denn? Freilich haste en Huhn. Ich habs letztes Mal in deine Gefriertruhe gelegt. Gehste eigentlich nie in den Keller?

Ruth: Äh, danke. Und – dann?

Schwiegermutter: Dann nimmste die Plastikfolie ab.

Ruth: Echt? Wieso?

Schwiegermutter (unbeeindruckt): Dann gründlich abwaschen und in dem großen Topf – einen großen haste ja bloß, ihr habt überhaupt keine Töppe – in dem großen Topf zwei Stunden sieden lassen, Deckel druff, ja? Was? Salzen? Ja, tus salzen … wieviel … naja, des siehste dann schon.

Ruth: AHA.

Schwiegermutter: Danach das Fleisch ablösen, Haut und Knochen wegwerfen, Fleisch klein schneiden, für die helle Einbrenne Butter erhitzen, bis es spratzelt …

Ruth: Wieviel Butter?

Schwiegermutter: Des siehste dann schon …

Ruth: Wieviel Esslöffel?

Schwiegermutter: Nee, n Esslöffel brauchste da nich, nimm halt erstmal so en Stück.

Ruth: Hm.

Schwiegermutter: Wenn es spratzelt, mit Mehl anrühren …

Ruth: Wieviel Mehl?

Schwiegermutter: Grüne Neune! Das hängt davon ab, wieviel Butter du genommen hast!

Ruth: Ja.

Schwiegermutter: Alsdann mit der noch heißen Brühe ablöschen, na 2,3,4 oder ungefähr so viel Schöpfer Brühe gut verquirlen mit Gelb-Ei und Creme fraiche, ein Pfund gekochten Spargel kleingeschnitten und das Huhn-Fleisch unterheben, mit Zitronensaft, Salz und Pfeffer würzen, klar?

Ruth: Und … äh … kochen lassen?

Schwiegermutter: Des Hühnerfrikassee? Des kocht doch schon die ganze Zeit!

Ruth: Äh, ja.

PAUSE

Schwiegermutter: Biste noch dran?

Ruth: Ja.

Schwiegermutter: Und was haste vorhin gesagt? Der Randolf ist KRANK?

Ruth: Ja.

Schwiegermutter: Ja, dann press ihm halt mal n paar Orangen aus – oder kannste des nich? Er raucht aber auch zu viel! Er sollte in seinem Alter überhaupt kürzer treten. Lange Unterhosen zieht er ooch nich an.

Ruth: – – –

Schwiegermutter(spürt eine gewisse Ratlosigkeit): Also, weenste noch ne Frage hast, ruf halt nochmal an. Du weißt, ich geb dir immer gerne Bescheid.

Ruth: Okay, danke.

TÜÜT TÜT TÜÜT

 

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