Kikeriki!
Bis zu unserem Urlaubsort in Dänemark sind es gute 1000 Kilometer, daher dauert es eine Weile, bis man dort ist, auch wenn der Randolf am Steuer sitzt, der 350 PS zur Verfügung hat und die auch ausfahren will, wenn sich die Gelegenheit dazu bietet, was aber eher selten der Fall ist. Ich habe also Zeit, mir die Gegend und die vielen Baustellen anzuschauen, die uns auf dem Weg begegnen.
Natürlich überholen wir auch das eine oder andere Auto und es springt mir ins Auge, was drauf steht. Ich kann ein bisschen lesen. Doch, wirklich. Aber bei den Autonamen traue ich meinen Augen nicht. Auf einem Auto, das auf den ersten Blick aussieht wie ein fahrender Radiergummi, steht allen Ernstes: CACTUS. Kaktus? Gehts noch? Wie kann man ein Auto, das den Sinn von Fortbewegung und Geschwindigkeit hat nach einer Pflanze nennen, die in der Erde wurzelt und sich freiwillig garantiert weder schnell noch langsam fortbewegen wird? Ausserdem wäre es in diesem Fall authentischer gewesen, sie hätten ihr Fahrzeug „Gummibaum“ genannt, denn sie hatten an den Seiten links und rechts Gummipolster angebracht, die an die Wandpolsterung einer Gummizelle erinnern, vielleicht damit, wenn jemand den Verstand verliert er dann gleich weiß, wohin mit seinem Kopf?
Ein wirklich sehr kleines Autochen trägt den Namen: C4. C4 ist ein Plastiksprengstoff, der auch von der Bundeswehr verwendet wird und man kann nur hoffen, dass dieser Stoff mehr Power bei der Anwendung entfaltet als dieses langsam vor sich hinschnaufende Wägelchen, denn sonst erreicht man mit seinem Sprengvorhaben die Wirkung eines Ladykrachers.
Dacia hat mit seinem „Duster“ einen Namen gewählt, der sich mir auch nicht erschließt. „Duster“ heißt Staubtuch oder Staubwedel. Sehr seltsam. Ich dachte das Dacia Auto wäre ein PKW und kein Straßenreinigungsgerät und finde es auch nicht in Ordnung, so zu tun, als würde es reinigen, wenn man keine zusätzlich straßenreinigenden Elemente eingebaut hat. Ganz grundsätzlich kann ich nicht erkennen, dass Dusters so arg sauberer sind als andere Autos.
Ein ganz kleines Auto trägt den Namen: ORA. Orare heißt lateinisch: beten, ora heißt also: Bete! Wie bekannt und unbestritten bin ich gläubig und der Ansicht, dass man grundsätzlich immer und überall beten kann und auch sollte, auch im Auto. Ich habe es selbst auch schon öfter, nicht nur wegen den Fahrkünsten vom Randolf, getan. Aber dass die Hersteller dieses Autos einem gleich beim ersten Einsteigen zum Beten raten, legt die Vermutung nahe, dass sie wenig Vertrauen in die Konstruktion und Qualität ihres Erzeugnisses haben, denn wofür soll denn hier gebetet werden? Dafür, dass es überhaupt anspringt, dass man nicht mitten auf der Straße von seinem eigenen Reifen überholt wird, dass einem bei den schwindelnden 60 Stundenkilometern nicht das Blech wegfliegt? Hier wird von den Herstellern versucht, mit der Namensgebung die Verantwortung auf eine höhere Instanz abzuwälzen, nach dem Motto: „Jetzt hilft nur noch beten!“
VW hat einen Wagen namens „TIGUAN“ herausgebracht. Ein Tiguan soll ein Mittelding zwischen einem Tiger und einem Leguan sein (steht so im Internet) und das muss einem sehr optimistischem Geist entsprungen sein, denn die Kreuzung zwischen einem Säugetier (Tiger) und einem Reptil (Leguan) hat, soweit ich weiß, noch nie ein Biologe, der noch klar bei Verstand ist auch nur in dem weitesten Bereich des Möglichen verortet. Vielleicht wollte VW aber auch ein neues Fabeltier schaffen, so ähnlich wie Pegasus. Dabei wirkt der Tiguan wie ein recht bodenständiger Mittelklassewagen, der so ganz und gar nicht mystisch anmutet.
Wenn man vorhat auf dem Teppich zu bleiben, wäre ein anderes Namentier viel passender. Wie wäre es denn mit einem ganz normalen Giger? Er hat oben auf dem Misthaufen die Übersicht, den Hühnerhaufen im Griff und kräht laut. Also: Wie wäre es mit: „Kikeriki“?

Kikeriki!
