Ehrlich gesagt…

Schon wieder diese grässlichen Bratkartoffeln! Ich wusste mit meinen zehn Jahren nicht, ob ich den leicht verbrannten Geschmack nicht mochte oder die energische Würze; ich wusste nur, dass ich hier, bei meiner Omi, zum gefühlten 248. Mal diese Bratkartoffeln essen sollte und dass ich es nicht mehr aushielt.

„Omi, kann ich nicht was anderes haben?“ „Wieso, schmeckt´s dir nicht?“ „Naja“ „Aber“, rief sie ehrlich erstaunt. „Du hast doch gesagt, sie sind gut!“

Stimmt! Das hatte ich. Und jetzt hatte ich die Folgen dieses unwahren Komplimentes auszubaden und musste mit der Wahrheit herausrücken.
Oft hat ein kleines Wort große und unabsehbare Wirkungen.

Um 15.00 Uhr wollte meine Freundin Gabi bei mir sein. Um 17.30 Uhr, als sie endlich hereinstürmte, war die Kerze heruntergebrannt und der Kaffee kalt geworden.

„Gott sei Dank!“, begrüßte ich sie. „Ich hab mir schon Sorgen gemacht.“

„Ja, ich weiß“, erwiderte sie schuldbewusst, „dass es eng werden könnte. Aber wenn ich gleich gesagt hätte, ich komme um halb sechs, hättest du doch gedacht, ich habe keine Zeit für dich.“

Manchmal ist es besser, gleich mit der Sprache herauszurücken, denn die allseits beliebte Notlüge zieht oft gerade den Ärger nach sich, den man eigentlich vermeiden wollte.

Aber auch wenn man allzu lautstark seine Meinung Kund tut, kann das Probleme verursachen, wie mir ein Straßenbahnführer erzählt hat:
Der „Katzenmutter“ (einem Fürther Original, die einen Behindertenausweis hatte, in dem stand, dass sie heftig auf abfällige Bemerkungen gegen Katzen reagierte) saß in der Straßenbahn ein ungehobelter Mann gegenüber, der schon länger über alles und jedes geschimpft hatte und jetzt bei den Haustieren angekommen war, die er samt und sonders für überflüssig hielt.

„Aber doch nicht Katzen?“, fragte die Katzenmutter leise. „Doch! Diese räudigen Viecher gehören alle vergast!“, rief der Mann, worauf ihm die Katzenmutter seelenruhig ihre Einkaufstasche über den Schädel zog. „Au weh!“, meinte ich. „Und … und ist ihm etwas passiert?“ „Wie mans nimmt!“, antwortete der Straßenbahnführer. „In der Tasche waren lauter volle Bierflaschen, also: Schädelbruch. Da ist er an die Falsche gekommen! So kann´s gehen!“

Allerdings! Ehrlichkeit ist zwar wichtig, aber auch die sollte man manchmal nicht übertreiben, wenn man den Frieden liebt… ehrlich gesagt.

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