GEDICHT: Ein Frühling ohne ihn

Im Wald leuchtet ein Blütenmeer
Hell, weiß, soweit das Auge reicht.
Der Wind trägt frische Lüfte her
Gezwitscher unser Ohr erreicht.
Wir atmen tief, der Blick wird weit
Vor herrlicher Vergänglichkeit.

Will uns der Frühling Freude schenken,
muss ich an den Janosch denken.
Er hat den Frühling so geliebt,
weil es da viele Düfte gibt.
Nur eine Katze, das war er
Und doch war er für uns viel mehr!

Daher durchzittert wehes Sehnen
den ersten Frühling ohne ihn.
Es ist unnötig zu erwähnen:
Ein liebes Herz geht mit ihm hin.
Er wich uns niemals von der Seit.`
Jetzt ist er in der Ewigkeit.

Das ist so in dem Erdenlauf,
so eingerichtet ist die Welt:
Es blüht ein neues Leben auf,
Altes in sich zusammenfällt.
Vielleicht lernen wir lebenslang
Zu dem Mysterium ja zu sagen,
trotz mancher Stunde, zweifelnd, bang
das Leben immer neu zu wagen.

Im Sturm wollen wir auf ihn bauen,
in sicherem Vertrauen tief,
immerfort zu ihm hinschauen,
der uns in dieses Leben rief,
und glauben, dass uns diese Frist
ein Übergang zu Neuem ist.

 

Ein Frühling ohne ihn - Gedicht von Ruth Hanke
Gedichte von Ruth HankeEin Frühling ohne ihn

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