Beziehungstipps für die missglückte Beziehung – Das Wort „Liebe“

Beziehungstipps – Das Wort Liebe

Beziehungstipps Das Wort LiebeBist du auch so einer, dem das Wort „Liebe“ nur schwer über die Lippen kommt? Das solltest du dir abgewöhnen. Denn dieses Wort ist das „Sesam-öffne-dich“ zu allem, was du willst, die gesellschaftlich global akzeptierte Entschuldigung für alles, was du tust; die ebenso akzeptierte Begründung für alles, was du nicht tust.

Es ist die Währung, mit der du bezahlst und sie kostet dich keinen Pfennig.

Lass dir diese unfehlbare Technik an einem Beispiel erläutern:

Sie: „Warum hast du den Mietvertrag nicht abgeschickt?“
Du: „Welchen Mietvertrag?“
Sie: „Den MIETVERTRAG für unsere gemeinsame Wohnung! Hast du ihn überhaupt durchgelesen und unterschrieben?“
Du: „Schrei nicht so!“
Sie (schreit): „Ob du ihn DURCH-GE-LESEN hast?!“
Du (traurig): „Ich hab die ganze Zeit überlegt, wie ich dir einen schönen Abend machen könnte – und du machst alles kaputt.“
Sie (röchelnd): „Der Mietvertrag!“
Du: „Ich lieb dich so … wollen wir jetzt wirklich streiten?“

Wohlgemerkt! Ich habe dir hier nicht einen glücklichen Abend versprochen – Ziel ist ja die missglückte Beziehung – sondern nur, dass du mit dem Wort „Liebe“ jederzeit aus dem Schneider bist und nur darauf kommt es an.

Mit einem Wort ist es natürlich nicht getan. Ein bisschen muss man auch schon selber was dafür tun. Hier geht es vor allem um Überzeugung. Und zwar um die Überzeugung, dass „Liebe“ nicht irgendwelche Taten nach sich zieht, nichts mit irgendwelchen messbaren, zählbaren, ganz ordinären Ergebnissen zu tun hat. „Liebe“, merk dir das, ist nichts anderes als dein höchst subjektives, persönliches Gefühl und kann – da es ausschließlich von dir selbst definiert wird – auch jeden Tag anders aussehen.

Aber lass dich nicht dazu verführen deine „Liebe“ in Zusammenhang mit Handlungen zu bringen. Deine Freundin ist zum Beispiel krank und meint, es wäre ein Zeichen von Liebe, wenn du sie zum Arzt begleitest, sie pflegst und Blumen mitbringst? O nein! Das ist kein Zeichen von Liebe, sondern von Abhängigkeit oder von Mitleid, vielleicht sogar von Gemeinschaftsgefühl, aber auf jeden Fall wäre ein Anteil Selbstlosigkeit dabei – und der hat ja mit der höchst egoistischen „ Liebe“, auf die du dich berufst, nun wirklich überhaupt gar nichts zu tun.

„Ruf doch deine Oma an, wenn es Dir schlecht geht, Schatz. Die macht ja alles für ihr Enkelkind. Aber setz mich bitte nicht unter Druck. Du weißt doch: Liebe ist ein Kind der Freiheit!“ Die seichten Texte französischer Chansons sind immer hervorragend geeignet, die Grundsätze der missglückten Beziehung lyrisch zu untermauern. Am besten lernst du einige dieser leicht merkbaren Phrasen davon auswendig, denn je mehr du davon parat hast, desto besser bist du im Ernstfall abgesichert.

Und keine Angst: Dabei kommt es wirklich nicht auf den – zugebenermaßen kaum vorhandenen – Inhalt dieser Plattitüden an, sondern auf die Wichtigkeit und Überzeugungskraft, mit der du dergleichen vorträgst. Übe zum Beispiel zehn Minuten lang vor dem Spiegel folgenden Satz:

„Wenn du etwas liebst, dann lass es frei. Ist es dein, kommt es zurück zu dir. Wenn nicht, ist es niemals dein gewesen.“ Mit entsprechend verschleiertem Blick und dramatischen Timbre in der Stimme vorgetragen, fällt nicht auf, dass diese Philosophie nichts anderes besagt als:

„Ich komme, wann ich will und mach, was ich mag und wem das nicht passt, der kann ja gehen.“

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass du jeden Schwachsinn, jeden Egoismus, jede Unfähigkeit immer mit dem Wort „Liebe“ garnieren musst, um für das unausweichliche Unglück, das diesen Taten folgt, ein für alle Mal die moralische Rechtfertigung zu haben. Alles ist schiefgegangen? Na – und?

Du hast es schließlich nicht nur gut gemeint, nein, noch schlimmer: Du hast aus wahrer Liebe gehandelt.

Dagegen soll erst Mal einer was sagen!

 

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