Was ist ein Wunsch wert?

„Alles Gute!“, sagen wir manchmal einfach so. Meinen wir es auch? Spielt es denn eine Rolle, wie ernst wir etwas meinen oder nicht? Sind nicht alle Wünsche im Grunde nur wie Schecks einer Bank, auf der wir kein Konto haben? Manche Menschen sind voll von Wünschen, ohne den Wert und die Wichtigkeit derselben jemals zu überprüfen. Auch darin liegt eine Gefahr, wie ein Sprichwort sagt:

„Achte darauf, was du dir wünschst: Am Ende geht es noch in Erfüllung!“

Unsere Nachbarn in meinem Heimatort kamen aus Siebenbürgen und die Nachbarin, eine liebe Frau, die älter war als meine Mutter erzählte mir, wie der Krieg sie und ihren Mann getrennt hätte. Sie hatte schon drei Kinder und wusste nicht, wo ihr Mann war, wie es ihm ging und ob er überhaupt noch lebte. Vor dem brennenden Wunsch, dass er noch am Leben wäre und sie ihn wiedersehen konnte, verblasste in ihrer Erzählung die Härte des Krieges, die sie selbst erlebte. Sie betete jeden Tag für ihn, sie versuchte mit allen guten Gedanken ihm Kraft zukommen zu lassen. Nach Jahren der Ungewissheit kam ein Brief von ihm; er hatte aus einem russischen Gefangenenlager fliehen können und befand sich auf dem langen und abenteuerlichen Heimweg zu seiner Familie. Aber nach tatsächlich achtzehn Jahren der Trennung gelang es ihm zurückkommen.

Ein guter, starker Wunsch kann für unser Leben das sein, was der Stern von Bethlehem für die Weisen aus dem Morgenland war: Ein Licht, das uns führt über vielleicht viele Länder und lange Zeit, bis wir staunend an der Schwelle eines Wunders stehen, mit dem wir im Leben nicht mehr gerechnet hätten.

Fröhliche Weihnachten!

 

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Was ist ein Wunsch wert? - Glosse von Ruth Hanke

 

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