Thema: Glossen

Murphys Law

Murphys Law

Es war aber auch wie verhext! Ich hatte verschlafen! Das vermaledeite Hochwasser war schuld, denn wenn in Fürth am Wiesengrund Hochwasser war, war die Fuchsstraße gesperrt, so dass aus dieser Richtung kein einziges Auto an der Kaiserstraße 21, direkt an unserem Schlafzimmerfenster vorbei fuhr, Weiterlesen »

Selbsterkenntnis

Der Randolf und ich waren noch jung, gerade von einem zweiwöchigen Urlaub zurückgekommen und bei meinem Opa zu einem wunderbaren Gansbraten eingeladen, den seine Frau Paula zubereitet hatte und als wir uns satt und zufrieden zurücklehnten, fragte uns mein Opa mit trügerischer Arglosigkeit: „Habt ihr euren Küchenstuhl schon repariert?“ Weiterlesen »

April, April!

Seit ich ein Kind war, durfte man am 1. April jemanden „in den April schicken“, eine Erlaubnis, die viel genutzt wurde: Von Geschwistern, Klassenkameraden, Eltern und Lehrern, einmal sogar von unserem Herrn Pfarrer.
An keinem anderen Tag im Jahr muss man so höllisch aufpassen wie an diesem. Weiterlesen »

Es werde Licht!

Franziska erledigte ihre Hausarbeit mit Schwung und Enthusiasmus, das konnte man hören, erstens am Gedröhne des Staubsaugers und zweitens an den Rhythmen der „Wise Guys“, die durch ihren Kopfhörer drangen.
Sehen konnte man es eher nicht, da sie im Halbdunkel des Parterre Flurs vor sich hin saugte.
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Der Augenblick

Es war an meinem Geburtstag, ein Tag im September, als ein Freund aus der Berufsaufbauschule und ich in unser Gespräch versunken einen Feldweg entlang gingen und kamen an den Beeten einer Gärtnerei vorbei, die in den vielfarbigen Blüten exquisiter Chrysanthemen neuer Züchtung prangten. „Schau mal, die schönen Blumen!“, sagte ich. Er sah auf. „Okay“, meinte er. „Welche willst du?“ und noch bevor ich antworten konnte, war er mit imponierender Leichtigkeit über den zwei Meter hohen Maschendrahtzaun gesprungen, hatte die schönste Blume abgepflückt und mir überreicht. Wie viele Jahre ist das her? Aber ich sehe immer noch den schrägen Lichteinfall der warmen Nachmittagssonne, die Grashüpfer, die um unsere Füße herumsprangen und sein unverwüstliches Lachen.
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Rund um die Kugel

Was müsste ein Außerirdischer denken, der zufällig an unserer Erde vorbeikommt und der allerorts riesigen Fußballstadien ansichtig wird, die bis zu 100.000 Besucher fassen und wo in Abständen tobende Feste abgehalten werden? Er würde denken, wir huldigen dem Gott der Kugel! Weiterlesen »

Überleben im Verkehr

Mein Vater war ein altmodischer Gelehrter reinsten Wassers, einer der wenigen geistigen Menschen, die ich jemals gekannt habe.

Sogar vor einer grünen Ampel, vor der ihm regelmäßig der Motor auszugehen pflegte, konnte er fehlerfrei „res publica“ (Lateinisch: Der Staat) deklinieren. Ich habe es selbst erlebt.
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Gaff net so!

Ich saß um halb drei Uhr in „Dollys Coffee Bar“, in der Westernstadt des Legolands in Billund, Dänemark auf der Veranda und wartete. Mein Mann Randolf, Tochter Franziska und ihr Freund wollten in der letzten Stunde abenteuerliche Karussells fahren, während ich mir das dänische Schloss aus Legosteinen en Miniature angesehen und via Monorailbahn den Erlebnispark von oben betrachtet hatte.
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Telefonkonferenz

Mitteleuropäische Zeit, Puschendorf, 14.00 Uhr:

„Franziska!“, rufe ich hinunter. „Hast Du mal einen Moment Zeit?“ – „Ich telefoniere!“
Dass ein Mensch nicht während des Telefonierens gestört werden will, ist einzusehen.
15.00 Uhr: „Franziska!“ – „Telefoniere!“
16.00 Uhr: „Franziska!“ – „Mama, Ich habe Dir doch gesagt, dass ich …“ – „Sag mal, wer ist denn da am Telefon?!“ – „Jenny!“
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Hammer nimmer!

Ruth Hanke Glosse: Kaffee ole

Mein Opa wuchs in der Kornstraße in Fürth auf als Ältestes von elf Kindern. Sein Vater war ein einfacher Arbeiter, die Mutter Hausfrau und sie mussten mit dem Geld sehr sparen. Als mein Opa sechs Jahre alt war, schickte ihn seine Mutter zum Bäcker, um Semmelbrösel für die Fleischklöße zu holen.
„Bitte für drei Pfenning Semmelbrösel.“
„Hammer nimmer.“, war die Antwort.
„Ach bitte, dann zwei Scheiben Weißbrot!“
„Hammer nimmer.“
„Einen Kanten altes Brot?“
„Hammer nimmer.“
„Dann geben Sie mir ein halbes Brötchen!“
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Das allertollste Pausenbrot

Ruth Hanke Glosse: Kaffee ole

Das Telefon klingelte und ich nahm ab. „Hier ist Frau Groß, die Mutter von Melvin Groß.“
„Aha ….“, meinte ich und kramte hektisch in meinem Gedächtnis. Vorsichtshalber steuerte ich ein „Grüß Gott!“ bei, denn das ist nie verkehrt. Offenbar konnte man durch das Telefon sehen, dass ich mir immer noch kein Bild machen konnte, denn Frau Groß meinte: “Der Melvin geht mit Ihrem Sohn Daniel zusammen in die neunte Klasse und ich wollte Sie fragen, ob morgen einmal Sie das Pausenbrot für die Jungs machen können?“ „Natürlich“, erwiderte ich, etwas perplex, worauf sie fortfuhr: „Ich muss nämlich morgen ganz früh zum Arzt und weil seit drei Jahren ich das Pausenbrot für den Daniel mit zubereite, hab ich gedacht…“
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Kaffee olé!

Ruth Hanke Beziehungstipps Thumbnail

„Was möchtest du?“, fragte mich ein Freund, Rinaldo, der mich in seine Wohnung eingeladen hatte, um mir die segensreiche Wirkung seines neuen, sündteuren, vollautomatisierten Aromagetränkzubereitungsgeräts vorzuführen. „Einen Cappuccino? Oder Espresso? Einen Latte mit Milchschaum? Oder Kaffee au Lait?“ Ich nickte geistesabwesend und betrachtete den dunklen Kasten mit chromblitzenden Seiten von der Größe eines Übersee- Koffers, der etwa ein Drittel der kleinen Küche einnahm und sah aus dem Fenster. Rinaldo musste inzwischen auf einen Knopf gedrückt haben, denn plötzlich prasselte ein Gewehrfeuer haarscharf an meinen Ohren vorbei, unterlegt von einem betäubendem Stampfen, das nach einiger Zeit in ein anhaltendes Knirschen, Rollen und Gurgeln überging.
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Danke, sagt man!

„Franziska!“, fragte ich mit banger Vorahnung, als meine Kleine aus der Grundschule kam. „Wo ist Deine Jacke?“ Sie sah mich an mit schreckgeweiteten Augen. „We … welche Jacke?“ stotterte sie. Aber ich wusste bereits, dass sie zum vierten oder fünften Mal in diesem Frühling ihre Jacke in der Schule vergessen hatte. Diese ihre Angewohnheit alles, was irgend möglich war, auszuziehen und das entsprechende Kleidungsstück danach sofort zu vergessen, genauso wie Schuhe und Strümpfe, Federmäppchen, Mal– und Turnbeutel, Haargummis und natürlich Schlüssel hatte sich in unserer Familie bereits zu einem zählbaren Finanzposten ausgewachsen.
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Wasser ahoi!

„Daniel!“, rief ich meinem 11-jährigen Sohn auf der Treppe nach. „Du musst heute unbedingt noch baden!“ Er drehte sich zu mir um und warf mir einen indifferenten Blick zu.

„Wenn ich in besseren Verhältnissen aufwachsen würde, würde ich ja auch öfter baden“, entgegnete er.
„Was für bessere Verhältnisse?“, wollte ich wissen.
„Wenn wir zum Beispiel einen Swimmingpool hätten.“
AHA. Swimmingpool.
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Die Sache mit der Rose

Die Rose

Wir hörten den Schlüssel im Schloss, Dieter, ein Freund aus der Arbeit und ich.
Dieters Freundin, die ruppige Kreszentia, war heimgekommen. Schon aus dem Flur hörten wir ihre scharfe Stimme: „Dieter, hast du den Komposteimer ausgeleert?“

„Ja“, antwortete der Dieter still.
„Und den Eimer ausgewaschen?“
„Ja.“
„Und Zeitungspapier hineingelegt?“
„Ja.“
„Hallo, Kreszentia“, begrüßte ich sie. „Schau mal, die schöne Rose, die der Dieter für dich gekauft hat!“

Sie streifte die rote Rose, die in einer Silbervase auf dem Tisch stand mit einem nachlässigen Blick.
„Ach“, meinte sie. „Die verwelkt ja sowieso wieder.“

In diesem Moment wusste ich instinktiv, was sie selbst noch nicht wusste und ihr später schwer zu schaffen machen würde: Dass Dieter eine andere Frau heiraten würde.
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Minuszeit

„Morgenstund hat Gold im Mund!“ lautet ein oft zitiertes Sprichwort. Während die Mutter seit Jahren stereotyp jeden Tag um 6.00 Uhr aufsteht, um das Frühstück für die Familie vorzubereiten, hält der älteste Sohn morgens nichts von Zeitverschwendung. Um 11.00 Uhr erscheint er am Frühstückstisch: ,,Morgen! Dreh am Gashahn, Mama! Zwei Spiegeleier mit Toastbrot und Schinken! In 17 Minuten fährt mein Zug!“ Die große Tochter lässt über der Frisur den Kaffee kalt werden. „Kann ich mal deine Wimperntusche haben… Ich brauch’ sofort 16 Euro für den Ausflug, hab’s schon dreimal vergessen.“ ,,Warum erfahre ich das nicht etwas eher?“
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Ehrlich gesagt…

Schon wieder diese grässlichen Bratkartoffeln! Ich wusste mit meinen zehn Jahren nicht, ob ich den leicht verbrannten Geschmack nicht mochte oder die energische Würze; ich wusste nur, dass ich hier, bei meiner Omi, zum gefühlten 248. Mal diese Bratkartoffeln essen sollte und dass ich es nicht mehr aushielt.
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