November: Ein Monat für die Liebe

Es war schon im späten Herbst, Ende November, als meine Freundinnen in der achten Klasse Gymnasium eine Klassenparty im Rahmen der Disco „Orange“ in Erlangen ausriefen. Das hieß für mich: Ich musste mit! Noch nie vorher war ich in einer Disco gewesen und traute mich eigentlich nicht, aber die Klassenkameradinnen hatten mir erklärt, dass ich mich diesmal nicht ausschließen dürfte. Meine Freundin Regine fing an, mich entsprechend herzurichten und erklärte mir dabei, worum es ging: „Du musst aufgefordert werden!“, meinte sie eindringlich. „Ein Junge muss dich zum Tanzen auffordern, das ist das wichtigste!“ Schließlich saß ich eingeschüchtert in dem dunklen Discoraum, von den Blitzen der Lichtorgel sporadisch erhellt und wollte kein Bier, das fürchterlich bitter schmeckte, wie ich fand, und keine Zigarette, weil mir davon schlecht wurde. Ich sah auf die Uhr, 19.30 Uhr. Bis 21.00 Uhr musste ich bleiben, dann würde mich mein Vater abholen, hoffentlich pünktlich! In dem Moment kam ein junger Mann durch den Raum und fragte: „Willst du tanzen?“ Die Ermahnungen von Regine im Kreuz, stand ich auf und folgte ihm auf die überfüllte Tanzfläche. Er hieß Randolf und sagte, es wäre hier zu laut, ich sollte mit nach draußen kommen. In dieser Nacht war es windig, kalt und regnete, wir spürten nichts davon. Er hatte dunkelblaue Augen und erklärte mir ausführlich seine Vorstellungen vom Sinn des Lebens. Als mein Vater kam, hatte ich das Gefühl, dass erst fünf Minuten vergangen waren. Seit damals empfinde ich den November als besonders romantischen Monat; die unwirtliche Kälte lässt einen enger zusammenrücken, man hat genügend Grund, die kalte Hand der Angebeteten in der seinen zu wärmen und das geliebte Gesicht von ersten Schneeflocken umwirbelt, kann sich tief in Herz und Sinn einprägen.

Der Monat November wird vielleicht erst eine Liebe auf den zweiten Blick, aber er hat viele Vorteile: Die arge Hitze des Sommers ist jetzt endgültig vorbei, im Garten ist nicht mehr viel zu tun und man hat mehr Zeit für einander, es gibt wieder Orangen, Pilze, Bratäpfel und Weihnachten, das Fest der Feste, glitzert schon wie eine silberne Hoffnung am Horizont. Natürlich ist es auch hier so: Entscheidend ist, was man draus macht. Warum nicht etwas Romantisches? Kochen Sie ein Lieblingsessen, kaufen Sie einen Strauß bunter Herbstblumen und verzaubern Sie Ihre Liebste oder Ihren Liebsten. Die Voraussetzungen sind gar nicht so schlecht.

 

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November: Ein Monat für die Liebe - Glosse von Ruth Hanke

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