Da sag ich jetzt nichts dazu!

„Auuhh, was machst du da?“, schimpft der Randolf unter der Dusche, weil ich Wasser zum Zähneputzen aus dem Waschbeckenhahn genommen und so für mindestens drei Sekunden seine Warmwasserzufuhr unterbrochen habe. Als ich dann noch ein tröstendes: „ Ist doch nicht so schlimm“ anbiete, kommt mir ein ganzer Schwall Beschwerden und Verwünschungen entgegen. „Eine RIESENSAUEREI ist das!“, tobt er. „Warum zum Kuckuck kann ich nicht mal mein eigenes Duschwasser haben in diesem Haushalt?!“ (Ist nicht ganz der genaue Wortlaut.) Er meckert noch zehn Minuten herum, bis er sich beruhigt hat und muss am Schluss sogar richtig lachen. Ein Sonderfall? Mitnichten! Dieses Verhalten ist typisch fränkisch. Oft wird in Franken wegen Kleinigkeiten ein wortreiches Geschrei erhoben, wobei man jedoch nach einer gewissen Zeit, verbal noch rumpelnd, aber inhaltlich milde: beschwichtigt, erklärt, zurücknimmt, wodurch dann Stück für Stück ein Angebot zu Einigung und Versöhnung entsteht.

Ganz anders verhält es sich bei nicht so harmlosen Verfehlungen; da kommt der Franke mit deutlich weniger Worten aus: Der Abteilungsleiter der Grafik wirft einen unguten Blick auf den mit Aquarellpapier gefüllten Papierkorb. Schweres Ein- und Ausatmen, dem eine kurze, knallende Frage folgt: „Was machen Sie da? Wissen Sie, was das kostet?“ Da hält man die Luft an und traut sich gar nicht mehr sagen, dass man das nicht gewesen ist. Noch ernster zu nehmen war die Warnung meines Opas, als wir Kinder ein Päckchen Streichhölzer abgebrannt hatten und ein plötzlich ein Loch in der Tischdecke war. Sein sehr kurzes: „Macht nur so weiter!“ war jedenfalls gegenteilig gemeint, wie wir herausgefunden haben.

Zu diesem: „Macht nur weiter so!“ hat Franziskas Klassenlehrerin eine Steigerung von sich gegeben angesichts eines Schulhefts, das Franziska in lustiger Abwechslung für englische Grammatik benützt hatte, Latein, Briefchen an die Banknachbarin, Zeichnungen von den Nasen ihrer Lehrer und am Schluss, auf dem Kopf stehend: Geschichte. Kommentar der Lehrerin: „Da sag ich jetzt nichts dazu!“ Ein noch deutlicheres Missfallen zeigt nur der Randolf, wenn es richtig ernst wird: sollte es etwa in der Küche nach Curry riechen! Er sagt dann einfach gar nichts mehr, schüttelt den Kopf, dreht sich um und geht raus, so dass der Rest der Menschheit es erschaudernd spüren muss: „So! Jetzt habt ihr es!“

Daher muss man es nicht persönlich nehmen, wenn jemand lautstark aus der Contenance kippt, wie es schon das Sprichwort weiß:

„Hunde, die bellen, beißen nicht!“

 

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Da sag ich jetzt nichts dazu! - Glosse von Ruth Hanke

Da sag ich jetzt nichts dazu!

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