Alternativlos: Die perfekte Handtasche

Zack – Bum – Patsch! Fluchen aus dem Bad – was ist passiert? Ach so, das Handy ist ins Klo gefallen. Naja – ist ja nicht das erste Mal!

Ein Mann hat heutzutage längst nicht genug Stauraum für alles, was er notwendigerweise bei sich hat, also wird das Handy in der Brusttasche des Oberhemdes verstaut, das auf diese Belastung nicht vorbereitet ist, weswegen öfter die Nähte der Brusttasche nachgebessert werden müssen.

Aber auch dieser Platz ist, wie gesagt, nicht sicher: Wenn man sich bücken muss, um z.B. ein heruntergefallenes Geldstück aufzuheben, fällt schon öfter das Handy aufs Pflaster. (Das kann übrigens auch den Girls passieren, die das Handy zwischen BH-Träger und Dekolleté einspannen.)

Randolfs Handy hatte schon so viele Sprünge, dass ihn jeder bekniet hat, er möchte sich ein Neues anschaffen, aber er schüttelte weise den Kopf. Nach zwei Wochen würde auch das neue wieder so aussehen, das weiß er. Nur wenn das Handy im Bad buchstäblich baden gegangen ist, kommt notgedrungen ein neues her.

Und was macht der Mann mit den anderen unverzichtbaren Dingen seines Alltags wie Zigarillos, Feuerzeug, Schlüssel, PC-Stick, Visitenkarten, Taschentücher, TAN-Geräte etc.? In die doppelt dicke Notebook-Tasche vom Randolf, vollgestopft wie die hexagonal dichteste Kugelpackung passt kein Blatt Papier mehr hinein und also hat der Mann Platzsorgen.

In den siebziger und achtziger Jahren waren Handtäschchen für Herren modern, mit einer Schlaufe am Handgelenk befestigt. Das sah zwar etwas albern aus, hatte praktisch aber gewisse Vorteile. Später wurde der Aktenkoffer en vogue, der seinem Besitzer Spektabilität und Wichtigkeit verlieh, auch wenn er vielleicht nur einen Stift, ein Brillenputztuch und ein Butterbrot enthielt. Auch das ist vorbei – und jetzt?

Die Antwort auf alle Fragen: Frau mit Handtasche!

Eine Freundin aus der Gemeinde behauptet, ich hätte zu viele Handtaschen.

Das finde ich eigentlich nicht, wenn ich im Musikzimmer bin und wohlgefällig die dunkle Regalwand betrachte, in der, schön sortiert, die unterschiedlichsten Handtaschen stehen und auf ihren Einsatz warten. Es ist ja klar, dass man mit einem rustikalen Shopper nicht ins Theater gehen kann; die Wintergarderobe mit den dunklen Edelsteinfarben verlangt eine andere, modische Ergänzung als ein heller Frühlingstag und meine Erfahrung mit mir selber zeigt, dass ich im Leben nie mehr einen Stadtbummel mit einem zu kleinen Handtäschchen antreten werde. Ich kann nämlich, außer mir, nur noch ein Ding in der Hand halten – und das ist EINE große Handtasche. Sonst muss ich nämlich zusätzlich zu der kleinen Handtasche noch viele andere, oft nicht sehr belastbare Plastiktüten tragen, wie viele weiß ich irgendwann nicht mehr; mit Sicherheit vergesse ich einige davon auf der Parkbank, im Café oder im Bus und das Chaos ist perfekt!

Die zur Gelegenheit passende Handtasche, die modisch ist, aber strapazierfähig, mit Reißverschluss und ausreichendem Fassungsvermögen ausgestattet, mit komfortablen Tragehenkeln, leicht an Gewicht und solide in der Verarbeitung, ist für das Wohlbefinden genauso wichtig wie die richtigen Schuhe. Denn was hat frau nicht alles unterzubringen: Taschentücher, Hustenbonbons, Geldbeutel, Lippenstift, ein Buch, eine kleine Flasche Wasser, Puderdose, Schlüssel, Haarbürste, Handy, Fahrkarte, Stadtplan und … und … und.

„Was du alles mit herumschleppst“, wundert sich daher auch der Randolf, der nach seiner obligatorischen Frage: „Hast du heute einen deiner Koffer dabei?“ bei einem „Ja!“ erleichtert aufatmet und mir als erstes die kostbaren Zigarillos zur Aufbewahrung übergibt – und gar nicht so selten noch einiges andere.

Auch er, wie er nebenbei erwähnt, hat seine Favoriten unter meinen Handtaschen, die rote z.B. und eine andere, ein Staatsstück mit Tigerkopf hat er mir sogar selbst geschenkt.

Nur dass der „Handtaschenspleen“ auch seine praktischen Seiten hat, hat er noch nie gesagt. Warum auch? Praktisch sind doch immer nur die Männer, oder?

Dafür bin ich bei den Schirmen vernünftiger: Ich benütze nur einen einzigen. Er ist zwar aus Spitze, aber schwarz. Das passt zu allem. –

 

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Alternativlos: Die perfekte Handtasche - Glosse von Ruth Hanke
Glossen von Ruth HankeAlternativlos: Die perfekte Handtasche

  • müritz

    Ja, so geht’s mir – kleine Handtasche und dann die Plastiktüten!
    Ruth Hanke hat mal wieder frisch und treffend die Sache auf den Punkt gebracht – und sooo witzig!

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