GEDICHT: Jahreszeiten

Ein Mensch im Frühling seines Lebens
erwacht im ersten Sonnenstrahl,
steht wacklig auf zum ersten Mal,
probiert ein Wort, öfters vergebens.

Dann lernt er vieles und wird groß,
sitzt in der Schule manche Stunden,
rennt auf dem Sportplatz seine Runden,
macht sich auch schon von Eltern los.

Mit Glück begegnet ihm die Liebe,
er streckt sich glücklich nach ihr aus,
er heiratet und baut ein Haus,
damit sie immer bei ihm bliebe.

Jetzt ist es Sommer, heiß und hell,
der Mensch muss arbeiten und handeln,
die Welt verstehen und verwandeln,
klug muss er sein, entschlossen, schnell.

Sind Kinder da, sind sie ein Segen,
sie sind die Zukunft, sind das Morgen,
doch heute hat man manchmal Sorgen,
es wechseln Sonnenschein und Regen.

Die Kinder gehen ihren Weg,
die Jungen bringen Mädchen an,
die Töchter haben ihren Mann,
man bleibt zurück auf schmalem Steg.

Jetzt ist der Herbst da, eine Zeit
der Ernte, Freude; nicht zum Leiden.
„Jetzt machen wir´s uns schön, wir beiden!“
Der Horizont wird wieder weit.

Der Mensch erinnert sich jetzt sehr
Wie er als Kind gespielt hat: Fangen,
hat viel gelacht, ist weit gegangen.
Wie lange ist das her?

Still und leise sind die Wonnen
Des Winters in des Lebens Lauf,
der Tod schließt eine Türe auf:
Von ferne leuchten neue Sonnen.

 

Jahreszeiten - Gedicht von Ruth Hanke
Gedichte von Ruth HankeJahreszeiten

  • Heidrun

    Ein wirklich schönes Gedicht. Da ist alles drin – knapp und präzise, aber auch tief und weit. Ich bin sehr begeistert!

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