Frühlingsgefühle

Ein Mensch geht raus, denn es ist mild,
da sieht im Spiegel er sein Bild:
Zerknittert sieht er aus und grau,
sagt` nicht erst unlängst seine Frau:
„So solltest du nicht mehr rumlaufen,
sondern dir was zum Anziehen kaufen.“
Der Mensch lässt sich das gern eingehen
Und er beginnt sich umzusehen.
Das Angebot ist riesengroß,
was wählt man da, was kauft man bloß?
Mutig betritt der Mensch den Laden
der Mode und lässt sich beraten.
Zwei Stunden später steht er dann
Vorm Spiegel als ein neuer Mann:
Hat jetzt ein neues Hemd mit Litzen,
die Hose tut viel besser sitzen,
ne schicke Jacke hat er auch,
der Schnitt kaschiert komplett den Bauch,
Die Sonnenbrille schützt die Sicht,
die Schuhe spiegeln sich im Licht.
Der Mensch geht gutgelaunt hinaus,
kauft für die Liebste einen Strauß,
da geht ein Freund an ihm vorbei,
als ob er nicht vorhanden sei.
„He, Werner“, ruft er. „kennst mich nimmer?“
„Äh, wer sind Sie jetzt nochmal immer…?
Der Jochen! Super siehst du aus,
mit Sonnenbrille, Blumenstrauß!
Was du vorhast, sieht man genau:
Ich sag kein Wort zu Deiner Frau.“
Der Mensch denkt bei sich selbst verwirrt,
dass man sofort verdächtigt wird,
wenn man das Beste aus sich macht,
im Frühling, wenn die Sonne lacht,
wobei die blühende Natur,
sich jetzt rausputzt rund um die Uhr.
Kein Veilchen sich im Mai-Wind ziert,
jedoch der Mensch ist kompliziert.

 

Frühlingsgefühle - Gedicht von Ruth Hanke
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